KARIN MICHALSKI
  • THE ALPHABET OF FEELING BAD
    text-based video projection
  • Germany 2014, HD, 14:22 director: Karin Michalski
    text: Ann Cvetkovich
    collaboration: Renate Lorenz
    editor: Elfe Brandenburger
    support: Anja Michaelsen, Sabine Marotz
    concept & curatorial work: Anna Linder
    technical advisor: Timo Menke
    initiated by Tina Eriksson Fredriksson for Umeå 2014

    Words Needed (Promotion Trailer) from Anna Linder on Vimeo.

  • The Alphabet of Feeling Bad defines terms from A to Z such as “depression”, but also everyday negative feelings like the impression of being stuck at an impasse, of feeling numb or not able to work, of being overwhelmed by demands, of not being adequate and not getting on, and provides them with a different meaning. Negative feelings are not understood as individual failure or sickness. Rather the question is raised of how these could be collectively sensed as “public feelings” but also politicized in the context of neoliberal working conditions and of homophobia, sexism and racism.

    The Alphabet of Feeling Bad (text-based video projection) was produced within the project Words Needed by curator Anna Linder: moving texts were projected onto snow walls in Umeå during the Opening Weekend of the European Capital of Culture 2014. The curatorial concept was that each of the artists of the video projections produced a visual conversation with somebody or something, somewhere in the world.

    The artists and projects that are included in Words Needed:
    Ann Cvetkovich & Karin Michalski, Atom Cianfarani & Maya Suess,
    Johanna Gustavsson, Angel Haze & Simone Weil, Maja Borg & Virginia Woolf.

    Also in 2014 The Alphabet of Feeling Bad (text-based video projection) was part of Counterparts – an art project in Gothenburg, curated by Anna van der Vliet. Here the video was projected onto the ceiling of a hotel room in the city center of Gothenburg. The hotel room was open to the public every day and night and people could lie down on the hotel bed to watch the projection.



    The Alphabet of Feeling Bad zeigt ein experimentelles Interview mit der Theoretikerin und Aktivistin Ann Cvetkovich. Die auf Gesprächen mit der Filmemacherin beruhende Performance von Cvetkovich erläutert von A bis Z Begriffe wie Depression, aber auch alltägliche negative Gefühle wie die Vorstellung, in einer Sackgasse zu stecken, sich gelähmt zu fühlen, nicht arbeiten zu können, von Anforderungen überwältigt zu sein, nicht zu genügen und nicht weiter zu kommen, und versieht sie mit neuen Bedeutungen.

    In der Tradition von Initiativen wie dem SPK (Sozialistisches Patienten-Kollektiv) der 1970er-Jahre werden negative Gefühle nicht als individuelles Versagen, als Fehler oder Krankheit verstanden. Es wird vielmehr die Frage aufgeworfen, wie diese als „public feelings“ kollektiv gefühlt und im Kontext neoliberaler Arbeitsverhältnisse, aber auch von Homophobie und Rassismus politisiert werden können.

    Ann Cvetkovich arbeitet nicht nur theoretisch, aus queer-feministischer Perspektive zu Themen wie Trauma und Depression, sondern ist auch Mitbegründerin des „Feel Tank Austin“, eine von mehreren aktivistischen Gruppen in den USA, die neben Treffen und Austausch auch Demos und öffentliche Kundgebungen organisierten.
    Beteiligte des „Feel Tanks Chicago“ führten die „International Parades of the Politically Depressed“ durch (2003, 2004 und 2007) und demonstrierten in Pyjamas und Bademänteln mit dem Slogan: „Depressed? It might be political!“. Gemeinsam mit Public Feelings-Gruppen aus New York und Austin, Texas organisierten sie 2007 eine Konferenz mit dem Titel „Anxiety, Urgency, Outrage, Hope... A Conference on Political Feeling“ an der University of Chicago.

    Das Setting des Films referiert auf Tracey Emins bekannte Arbeit „My Bed“, ein ungemachtes Bett als Skulptur, das symbolisch auf krisenhafte individuell erlebte Zustände verweisen soll. Während diese ihre Melancholie aber auch ihren Humor aus der Anspielung auf eine Künstlerinnenbiografie jenseits „normaler“ weiblicher Lebensläufe zieht, wird in The Alphabet of Feeling Bad das Leben in einem Bett zum Ausgangspunkt einer Fantasie über mögliche neue Politikformen, für die queere Passivität nicht Hindernis, sondern Voraussetzung ist.
    Mit dem formalen Fokus auf das Alphabet und begriffliche Fixierungen bezieht sich der Film auch auf Beispiele aus der Geschichte der Konzeptkunst. John Baldessaris Video „Teaching a Plant the Alphabet“ von 1972 etwa zeigt über knapp zwanzig Minuten eine Pflanze, die dazu angehalten wird, das Alphabet zu erlernen. Feministische Umarbeitungen der Konzeptkunst – wie Martha Roslers bekanntes Video „Semiotics of the kitchen“ von 1975, in dem sie die Buchstaben des Alphabets mit Küchenutensilien verbindet, die sie zugleich zu Waffen umcodiert – zeigen, dass Bedeutung nicht einfach Bedeutung ist, sondern dass Zeichen und Objekte mit gesellschaftlichen Positionen verbunden sind, diese fixieren oder erst erzeugen.

    The Alphabet of Feeling Bad baut darauf, Begriffe als Werkzeuge zu verstehen, die ermöglichen, gemeinsam zu fühlen und die Bedeutung dieser Gefühle dabei neu zu verhandeln und queer-feministisch zu politisieren.

    Ann Cvetkovich ist Associate Professor of English and Women’s Studies an der University of Texas in Austin. Sie ist die Autorin u.a. von „An Archive of Feelings: Trauma, Sexuality, and Lesbian Public Cultures” (Duke University Press, 2003) und zusammen mit Janet Staiger und Ann Reynolds Herausgeberin von „Political Emotions” (Routledge, 2010).
    2011 beteiligte sie sich an der Kunstbiennale Venedig bei der von Andrea Thal kuratierten Veranstaltungsreihe „Chewing the Scenery“.
    Inspiriert u.a. von den „Public Feelings“-Gruppen in Chicago, Austin, Texas und New York City brachte sie 2012 ihr Buch „Depression: A Public Feeling” (Duke University Press) heraus.


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